Literatur im Teehaus: „Mitgefühl“ („慈悲“) von Lu Nei

Lesung und Gespräch mit Maja Linnemann (Übersetzerin) und Stefanie Thiedig (Moderation).

Wie erging es der chinesischen Arbeiterklasse im Zeitraum zwischen 1960 und 2010? In diesem Roman bringt der Protagonist Chen Shuisheng den Leser*innen das rastlose politische und wirtschaftliche Auf und Ab der Volksrepublik während dieser Zeitspanne nahe. Knapp und ohne blumige Abschweifungen, aber mit viel Sympathie für die Figuren, werden in vielen Dialogen sowohl Shuishengs Leben, als auch die erfolgreichen und tragischen Schicksale seiner Arbeitskollegen und Vorgesetzten in der Phenolfabrik veranschaulicht.

Wir erleben gemeinsam mit Shuisheng die Machtkämpfe, Intrigen, Solidaritätsbekundungen und Auflehnungen der Arbeiter*innen in der Fabrik hautnah mit. Materielle Entbehrungen sowie Tod und Krankheit sind ihre ständigen Begleiter. Im Besonderen wird durch die Thematisierung des Todes veranschaulicht, wie die alten Bräuche und Familienrituale trotz der Verbote bis heute überlebt haben.

 

Lu Nei (路内) wurde 1973 in Suzhou geboren und hat nach seiner Schulzeit verschiedene Jobs, u.a. in Fabriken, angenommen. Heute ist er ein erfolgreicher Schriftsteller und schreibt Kurzgeschichten und Romane, die autobiografische Züge tragen. 2007 erschien sein Erstlingsroman Young Babylon, der von Poppy Toland ins Englische übersetzt wurde. Für seinen Roman Mitgefühl, der 2015 beim Verlag für Volksliteratur erschien, erhielt er in China mehrere Auszeichnungen.

 

Die Sinologin Maja Linnemann lebte 14 Jahre lang in Peking, wo sie u.a. als Chefredakteurin der CHINA Nachrichten an der Österreichischen Außenhandelsstelle und als Chefredakteurin des Deutsch-Chinesischen Kulturnetzes für das Goethe-Institut tätig war. Seit Anfang 2019 ist sie freiberuflich als Redakteurin und Übersetzerin tätig, u.a. für das Projekt “Leuchtspur – Neue Chinesische Literatur” und das Yi-Magazin des Goethe-Instituts Beijing.

 

Die Sinologin, Germanistin und Kunsthistorikerin (Dissertation vsl. 2022, Hamburg) Stefanie Thiedig lebte zehn Jahre lang in Peking, seit 2018 arbeitet sie wieder von Hamburg aus. Seit Anfang 2009 ist sie als Freelancerin unter dem Namen „Kulturgut 文化财富“ unter anderem mit ihrer Kulturvermittlung und Plattform freischaffender Kreativer für Kunst- und Kulturprojekte tätig. Auf ihrem Blog berichtet sie regelmäßig über die Sicht ihres Lebens zwischen China und Deutschland: https://kulturgut.blogger.de/.

 

Der Eintritt ist frei.