Young Scholars Forum

China entdecken, China erleben, China begreifen: Junge Wissenschaftler:innen reden von eigenen Erfahrungen

Konzept und Moderation:
Dr Wang Yi, Leitung des International Office an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Referent:
Lennart Riedel, Institut für Sinologie, Heidelberg

Das neue Wissenschaftskonzept der Volksrepublik China und seine rechtlichen Grauzonen

2016 forderte der Staatsrat der Volksrepublik China alle Institutionen höherer Bildung auf, eine der Ideologie der Kommunistischen Partei entsprechende Epistemologie (Erkenntnistheorie) zu entwickeln. Diese soll gestützt auf den Marxismus nicht nur für ein neues, eigenes System des Wissenschaftsdiskurses, sondern auch für zu gründende Wissenschaftsdisziplinen „mit chinesischen Eigenschaften“ als Grundgerüst dienen. Neben Sozial- sind hiervon auch die Geisteswissenschaften betroffen. Aber was bedeutet dies nun konkret für die Praxis in Forschung und Lehre an chinesischen Universitäten?

Der Vortrag geht dieser Frage in zwei Aspekten nach: Zunächst wird aufgezeigt, wie Gesetzestexte und behördliche Anordnungen das neue Wissenschaftskonzept definieren und welche Verpflichtungen damit für Wissenschaftler*innen einhergehen. Hierbei wird auch zur Sprache kommen, warum die neuen Einschränkungen keine Verletzung des seit 1982 von der Verfassung gewährten Rechtes auf Wissenschaftsfreiheit darstellen, und was letzteres von seinem deutschen Gegenstück unterscheidet. Im zweiten Teil des Vortrages wird dann anhand von Beispielen aus kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Abhandlungen erläutert, inwieweit die neuen Richtlinien die chinesische Forschung verändert haben. In den Fokus gerückt wird hierbei auch, wie Wissenschaftler*innen es auf kreative Art und Weise schaffen, weiterhin legal politisch kritische Standpunkte zu vertreten.

Lennart Riedel hat Sinologie in Heidelberg, Peking und Oxford studiert und ist zurzeit Akademischer Mitarbeiter am Institut für Sinologie in Heidelberg. Zeitgleich promoviert er über die Anti-Obszönitätskampagne in der Volksrepublik China und deren Auswirkung auf das Zensursystem, besonders in Bezug auf Literatur. Im Zuge seiner zusätzlichen Beschäftigung mit dem Thema Wissenschaftsfreiheit ist auch die Ausstellung „Red and Expert – Negotiating Academic Freedom in China“ entstanden, die er inhaltlich kuratiert hat, und die zurzeit in der CATS-Bibliothek in Heidelberg zu sehen ist.

 

Young Scholars Forum

„Geisteswissenschaften mit chinesischen Eigenschaften“

Mittwoch, 24.08.2022, 19.00 Uhr  

China entdecken, China erleben, China begreifen: Junge Wissenschaftler:innen reden von eigenen Erfahrungen

Konzept und Moderation:
Dr Wang Yi, Leitung des International Office an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Referent:
Lennart Riedel, Institut für Sinologie, Heidelberg

Das neue Wissenschaftskonzept der Volksrepublik China und seine rechtlichen Grauzonen

2016 forderte der Staatsrat der Volksrepublik China alle Institutionen höherer Bildung auf, eine der Ideologie der Kommunistischen Partei entsprechende Epistemologie (Erkenntnistheorie) zu entwickeln. Diese soll gestützt auf den Marxismus nicht nur für ein neues, eigenes System des Wissenschaftsdiskurses, sondern auch für zu gründende Wissenschaftsdisziplinen „mit chinesischen Eigenschaften“ als Grundgerüst dienen. Neben Sozial- sind hiervon auch die Geisteswissenschaften betroffen. Aber was bedeutet dies nun konkret für die Praxis in Forschung und Lehre an chinesischen Universitäten?

Der Vortrag geht dieser Frage in zwei Aspekten nach: Zunächst wird aufgezeigt, wie Gesetzestexte und behördliche Anordnungen das neue Wissenschaftskonzept definieren und welche Verpflichtungen damit für Wissenschaftler*innen einhergehen. Hierbei wird auch zur Sprache kommen, warum die neuen Einschränkungen keine Verletzung des seit 1982 von der Verfassung gewährten Rechtes auf Wissenschaftsfreiheit darstellen, und was letzteres von seinem deutschen Gegenstück unterscheidet. Im zweiten Teil des Vortrages wird dann anhand von Beispielen aus kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Abhandlungen erläutert, inwieweit die neuen Richtlinien die chinesische Forschung verändert haben. In den Fokus gerückt wird hierbei auch, wie Wissenschaftler*innen es auf kreative Art und Weise schaffen, weiterhin legal politisch kritische Standpunkte zu vertreten.

Lennart Riedel hat Sinologie in Heidelberg, Peking und Oxford studiert und ist zurzeit Akademischer Mitarbeiter am Institut für Sinologie in Heidelberg. Zeitgleich promoviert er über die Anti-Obszönitätskampagne in der Volksrepublik China und deren Auswirkung auf das Zensursystem, besonders in Bezug auf Literatur. Im Zuge seiner zusätzlichen Beschäftigung mit dem Thema Wissenschaftsfreiheit ist auch die Ausstellung „Red and Expert – Negotiating Academic Freedom in China“ entstanden, die er inhaltlich kuratiert hat, und die zurzeit in der CATS-Bibliothek in Heidelberg zu sehen ist.

 

Online auf Zoom: Hier klicken, um den Zoom-Raum zu betreten (Meeting-ID: 817 7211 4394, Kenncode: 250011)
Eintritt frei